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Mit dieser Seite möchte ich Informationen zum Autismus bieten, insbesondere auf mögliche Hilfen in den unterschiedlichen Lebensbereichen hinweisen, und gleichzeitig meine Aktivitäten in diesem Bereich vorstellen.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei den Mitarbeitern der SAP SE mit Sitz in Walldorf (Vielfalt und Inklusion bei SAP) für die großartige technische Unterstützung, die mir die Realisierung dieser Website erst ermöglicht hat. Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Aktuelles:

 

Ostern 2020

 

Nun sind schon drei Wochen vergangen, seit die Ausgangsbeschränkungen in Kraft sind. Was anfangs unvorstellbar schien, ist irgendwie doch allmählich ansatzweise zur Routine geworden – und das ist auch gut so. Ich selbst empfinde die Situation deutlich weniger anstrengend als zu Beginn, vor allem auch deshalb, weil man damals noch nicht wusste, wie weit das noch gehen würde. Verglichen mit vielen anderen Gegenden Europas und der ganzen Welt, ist es bei uns ja doch noch relativ moderat.

 

Einige autistische Menschen fühlen sich in der aktuellen Situation wohler, das ist auch gut nachvollziehbar. Der Sozialdruck fällt weg, es ist nun in Ordnung, ja sogar erwünscht, zu Hause zu sein. Man muss sich nicht in Ausreden flüchten und erklären, weshalb man schon wieder nichts unternommen hat. Offenbar erweist es sich im Moment als Vorteil, daran gewöhnt zu sein, mit sich selbst zurechtzukommen und nicht auf die Bestätigung anderer angewiesen zu sein. Autismus als Vorteil – das gibt es also durchaus.

Gleichzeitig aber ist die derzeitige Lage auch belastend und anstrengend – und offenbar wird sie von den autistischen Menschen, die berufstätig sind, noch anstrengender empfunden. Das ist verständlich, haben sich doch in nahezu allen Branchen die Rahmenbedingungen deutlich verändert, und das flexible Sich-Einstellen auf neue Situation fällt uns ja sehr schwer.

Und wenn ich dann von der Arbeit nach Hause komme (derzeit ein bisschen früher als sonst, weil die Autobahn so leer ist, wie ich sie bislang nicht kannte) und noch etwas einkaufen muss, dann finde ich auch das sehr anstrengend. Oft ist es mir zu voll, sodass der notwendige Abstand nicht immer eingehalten werden kann. Genauso ist beim Spazierengehen oder Laufen. Das hat mir viel Stress bereitet, weil ich immer peinlich genau auf die zwei Meter zwischen mir und anderen Menschen bedacht war. In einem Telefonat mit meiner Therapeutin habe ich erfahren, dass man da für ein paar Sekunden durchaus auch flexibler sein darf, dass das in Ordnung ist. Seither ist mein Leben deutlich entspannter geworden. Ich gebe mir Mühe, mich und andere zu schützen – aber ich kann nur das tun, was mir auch möglich ist.

 

Autismus und Corona – eine schwierige, aber auch eine spannende Zeit. „Einer für alle, alle für einen“, das ist derzeit das Thema – im Hinblick auf die Pandemie genauso wie beim Autismus. Es geht nur gemeinsam, und dafür ist jeder wichtig. Jeder Einzelne von uns muss und kann mithelfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, um andere Menschen zu schützen. Und gleichzeitig schützt es auch uns, wenn alle anderen die Regeln einhalten. Der Bezug zu autistischen Menschen ist mir seit Jahren ein wichtiges Anliegen, das ich immer wieder deutlich machen möchte. Täglich werde ich um Rat gefragt von Eltern oder selbst betroffenen Menschen nach Hilfen für den jeweiligen Einzelfall und die persönliche Situation. Sehr gern unterstütze ich dabei und überlege individuelle Maßnahmen. Aber gleichzeitig verdeutliche ich auch die Notwendigkeit, sich zusammenzuschließen, um die Lobby für autistische Menschen zu vergrößern und die Situation für alle zu verbessern. „Das Beste, was Sie für sich, für Ihr Kind tun können, ist, die Situation für alle zu verbessern, denn erst dann werden wir irgendwann die Strukturen haben, die auch Ihnen ganz persönlich weiterhelfen“, sage ich dann. Es geht nur gemeinsam. Vielleicht lernen wir das durch Corona – im persönlichen Alltag genauso wie in der Welt.

 

Und nun wird es Ostern – an keinem anderen Fest liegen Leid und Freude bzw. Hoffnung so nah beieinander. Auch ich selbst schwanke tagtäglich zwischen diesen Zuständen. Hoffnung machen mir die Statistiken – die Zahl der Neuinfektionen sinkt deutlich, das Gesundheitssystem kommt bislang gut zurecht. Hoffen wir, dass es so weitergeht. Aber natürlich ist es ein großes Unglück für die schwer erkrankten Menschen und diejenigen, die einen lieben Angehörigen verloren haben, genauso wie für Unternehmer, die nicht wissen, ob und wie es für sie weitergehen kann. Ich hoffe und wünsche, dass es Lösungen gibt, mit denen wir alle auch künftig einigermaßen gut leben können.

Aber das Virus wird auch weiterhin da sein und so lange eine Bedrohung für die gesamte Welt bedeuten, bis es gelingt, einen Impfstoff zu entwickeln, oder bis fast alle von uns die Infektion durchgemacht haben. Das wird dauern, und bis dahin wird ein Leben, wie wir es vorher kannten, nicht möglich sein. Was das bedeutet, wird man sehen.

Es wird diesmal ein anderes Ostern sein als sonst, ruhiger, demütiger. Viele liebgewonnene Rituale sind in diesem Jahr nicht möglich. Als Katholikin bin ich gern in den Gottesdienst gegangen – das geht ebenfalls nicht. Aber ich empfinde es als eine ganz gute Notlösung, dass Gottesdienste nun ins Internet gestellt werden und man sie so doch irgendwie miterleben kann. Die Digitalisierung macht derzeit vieles möglich – Videosprechstunden, Internetkonferenzen und anderes mehr. Und ich habe die Hoffnung, dass uns auch eine App helfen kann bei der Eindämmung des Corona-Virus. Mal sehen, was da in den kommenden Tagen auf den Markt kommen wird. Ich selbst werde dabei sein.

Ich hatte den Eindruck, diesmal wirklich eine „richtige“ Karwoche erlebt zu haben. Die vorösterliche Fastenzeit ist normalerweise ja doch meist eher von Vorfreude und Vorbereitungen geprägt, aber diesmal war da tatsächlich ein Verzicht auf vieles, was ich liebgewonnen habe: der Kaffee nach der Arbeit, draußen bei den schönen Frühlingstemperaturen – das geht aktuell nur zu Hause. In einem schönen Buchladen einfach für eine Weile schauen, was es Neues gibt. Oder – manchmal in den letzten Tagen hätte ich Lust gehabt auf ein Eis, als ich an einer Eisdiele vorbeigefahren bin. Die aber haben ja ebenfalls geschlossen.

Manches davon wird sicher spätestens im Mai wieder möglich sein. Ich freue mich sehr darauf. Anderes wird noch dauern – und manches wird nie mehr so werden wie vorher. Aber vielleicht ist nicht alles ganz schlecht. Ich habe ein bisschen Angst davor, aber ich bin auch gespannt darauf.

 

Und so wünsche ich auch Ihnen und Euch allen eine gute Zeit und trotz aller Einschränkungen ein schönes Osterfest, vor allem Ausdauer, Gesundheit und alles Gute.

 

Christine Preißmann

 

Dr. med. Christine Preißmann

Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie                                                                Selbst betroffen vom Autismus                                                                           Vorstandsmitglied Autismus Deutschland e.V.                                                                  Referate und Publikationen zum Thema Autismus                                                      Autismus-Sprechstunde Vitos-Klinik Heppenheim

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Soeben erschienen: Mein neues Buch „Mit Autismus leben – Eine Ermutigung“, Verlag Klett-Cotta.

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Gut leben mit Autismus

Im ersten Moment ist es oft eine Erleichterung, eine Autismusdiagnose zu erhalten, weil sie das Leben erklärt und einen Begriff für die Auffälligkeiten bietet. Aber danach wird man doch oft auch traurig oder mutlos, weil man erkennt, dass sich manches Ziel, das man für das eigene Leben hatte, nicht realisieren lassen wird.

Seien Sie nicht enttäuscht über die Möglichkeiten, die Ihnen verwehrt bleiben, sondern suchen Sie nach der für Sie geeigneten Hilfe und Unterstützung, wie Sie mit Ihren Voraussetzungen ein schönes und erfülltes Leben führen können, so, wie es zu Ihnen passt und Ihnen gefällt! Und machen Sie sich bewusst, dass Sie trotz Ihrer Schwächen und Schwierigkeiten ein wertvoller und ein liebenswerter Mensch sind, der – wie alle anderen Menschen auch – auch viele positive Eigenschaften und Ressourcen aufweist.

Werden Sie nicht mutlos. Auch wenn es schwierig zu sein scheint – es gibt immer Lösungen! Manche Hilfen lassen sich erst auf den zweiten Blick erkennen, dann ist es gut, wenn es jemanden gibt, der diese Angebote aufzeigt. Lassen Sie sich über bestehende Möglichkeiten ganz konkret für Ihre Situation beraten, bleiben Sie neugierig und geben Sie den Dienstleistern eine Chance! Manchmal besteht die optimale Lösung nicht darin, Fachleute für den Autismus mit jahrzehntelanger Erfahrung zu finden, sondern jemanden, die bereit ist, sich ganz individuell auf jeden einzelnen Menschen einzulassen. Individualität, Freundlichkeit, Interesse, Motivation und Engagement sind besonders wichtig.

Ich wünsche Ihnen ein gutes Leben mit Autismus!

 Ihre Christine Preißmann